„Egal, es wird gut.“ Eine Singlemum berichtet…

am 30.08.2017

Veronika ist seit knapp zehn Monaten Mama. Alleinerziehend. Wie es ihr dabei geht, sie ihren Alltag mit ihrer kleinen Paulina meistert, lest ihr hier.

10. Oktober 2016, 01:02 Uhr und für einen Moment stand die Erde still.

Mein kleines Mädchen wurde mir nach Stunden im Kreißsaal auf die Brust gelegt und ich wusste von diesem Augenblick an, dass ich nun nicht mehr nur Verantwortung für mich, sondern auch für dieses kleine Wesen, mein Kind tragen werde. Ich war voller Liebe, Glück und Stolz, aber gleichzeitig ängstlich und überfordert.

Was, wenn ich es einfach nicht schaffe? Wenn ich als Mama total versage und mein Baby ein unschönes Leben hat? Wenn ich als Alleinerziehende den Alltag nicht meistern kann? Wenn mir Arbeit, Kind und Haushalt über den Kopf wachsen und ich an manchen Tagen vielleicht nur noch auf und davon möchte?

Es schossen mir unendlich viele Fragen durch den Kopf. Fragen, welche ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht beantworten konnte und auch heute noch nicht zu 100% beantworten kann. Aber beim Anblick dieses kleinen Bündels in meinem Arm, als ich den Atem und ihren Herzschlag spürte, war jeder Zweifel, jeder schlechte Gedanke verflogen und ich flüsterte ihr zu:

„Egal was kommt, es wird gut sowieso! Du, meine Tochter, bist das größte Glück für mich und für alle Zeit werde ich dich lieben und für dich da sein!"

Heute, 10 Monate später kann ich es manchmal immer noch schwer glauben, dass ich doch tatsächlich Mama bin und einen neuen 24/7 Job habe. Na gut, lassen wir dieses „wonderful perfect life“, denn es ist durchaus eine 40/7 Aufgabe und für mich, als alleinerziehende Mom summieren sich die ToDos. Da ist nicht nur meine Tochter, die non stop Aufmerksamkeit von mir verlangt, ein Haushalt, welchen ich erledigen muss, sondern auch noch die eigentliche Frau von früher, die definitiv den ein oder anderen Kaffee, mit der neuen InStyle gerne in Ruhe und im Sitzen trinken möchte.

Meine lieben Mütter da draußen, wann seid ihr das letzte Mal so richtig entspannt und lange gesessen, habt einen, bestenfalls auch zwei Kaffee getrunken und hattet nicht die Uhr oder das Babyphon im Blick? Ist es wohl auch schon etwas länger her?

Täglich gegen 6:00 Uhr, werde ich durch „ins Gesicht grabschen“ oder freudigem „Daidaidadaaa“ geweckt. So müde ich auch zu diesem Zeitpunkt sein mag, dieses Glucksen und „auf mich drauf krabbeln“ möchte ich nicht mehr missen.

Schnell in das Outfit gehüpft, welches man sich bereits am Abend zuvor im Kopf, neben den „muss-ich-erledigen-Listen“ zusammengestellt hat. Dem Kind eine frische Windel verpasst, den Schlaf aus den Augen gewaschen und ebenso angekleidet, schwups auf den Arm und ab zur nächsten Station. Wir begrüßen den Tag, öffnen die Fenster und überhäufen uns auf dem Weg durch die Wohnung mit Küssen, denn seit mein Bambi Bussi geben kann, wird mein ganzes Gesicht damit bedeckt. Das ist eine Entschädigung dafür, dass ich seit geraumer Zeit nicht mehr wirklich schlafen kann und eine Tasse Kaffee am Tag definitiv nicht mehr ausreicht. Aber weiter im daily Mommylife:

Nach unserem Frühstück wird dann erst eine Runde gespielt. Wenn Mama Glück hat, dann auch mal kurz alleine, sodass die Waschmaschine angeworfen werden kann, die seit der Geburt nun öfter benutzt wird als früher. Parallel dazu immer der Blick auf die kleine Maus, dass wenn sie sich hochzieht und ganz stolz steht, ich auch schnell reagieren kann, wenn sie einfach los lässt. Sie ist so flink und freudig, kindlich, leichtsinnig, naiv, unbekümmert – ein ganz wundervolles Mädchen, in das ich mich jeden Tag aufs Neue verliebe.

11:00 Uhr – Madame wird immer unruhiger und somit mein Zeichen, dass es nun Zeit für das Mittagessen wird. Dies ist im Augenblick die schwerste Mahlzeit am Tag, denn die bösen Zähne machen uns zu schaffen und somit fällt das Essen bzw. Kauen etwas schwerer. Gott sei Dank wird mit viel Animation, trotz gleichzeitig aufkommender Müdigkeit, ein halber Teller Nudeln mit Sauce verdrückt, sodass Mama einigermaßen beruhigt ist. Raus aus dem TrippTrapp, Geschirr in die Spülmaschine, Wäsche in den

Trockner und Kind auf den Wickeltisch. Wenn ich nicht schon eine derartige Alltagsroutine entwickelt hätte, dann würde ich wohl jeden Tag schreiend durch die Gegend laufen, denn trotz eines gewissen Rhythmus kommt es doch immer anders.
Frische Windel an und ich selbst auch noch schnell ins Bad, das Kind ab in den Kinderwagen und raus an die Luft, sofern es das Wetter zulässt. Kurz nach 12 Uhr – Zeit für den Mittagsschlaf und eine Runde durchatmen. Danke.

Die letzten Wochen waren ja prädestiniert dafür, lange Spaziergänge zu machen. Perfekt für uns, denn somit haben wir sehr viel Neues entdeckt und gemeinsam die Umgebung erkundet, kleine Läden und Cafés durchstöbert, uns treiben lassen.

Teilweise ist es ein komisches Gefühl, so alleine durch die Gegend zu laufen, immer im Hinterkopf, dass man das Erlebte am Abend nicht dem Papa und Mann erzählen kann. Diese klassische Lebensweise von Vater-Mutter-Kind habe ich mir immer gewünscht, aber derzeit hat das Leben mit mir wohl etwas andere Pläne. Natürlich gibt es einen Vater zu meiner Tochter, der sich auch für sie interessiert und kümmert, nur leben wir in getrennten Wohnungen, in unterschiedlichen Städten. Es ist nicht so, dass mich dies zufrieden stellt, ganz im Gegenteil. Oft wünschte ich mir, es wäre anders und mein Status würde lauten: Ehefrau. Freundin. Mutter.

Aber nun weg mit diesen trüben Gedanken und mir bewusst gemacht: Nichts besseres hätte mir widerfahren können als meine Tochter. Sie ist das mit Abstand Wertvollste, Wundervollste und Beste, was mir je passieren konnte. Klar ist es nicht leicht, so alleine für alles verantwortlich zu sein und den Alltag zu meistern, aber ich habe eine unglaublich tolle Familie und Freunde, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen und mich in jeder Situation unterstützen. Dafür bin ich unglaublich dankbar und mag es auch noch so schwer sein, ich oft am Limit, ausgebrannt und eher deprimiert, dann sind sie für mich da und fangen mich auf. Egal, was all die Menschen um mich herum denken oder sagen. Wenn sie am Anfang meiner Schwangerschaft doch eher skeptisch waren und es für Viele ein Unding war, dennoch ging ich meinen Weg und fühle mich in meinem derzeitigen Sein endlich so, als sei ich angekommen. Angekommen in meinem Leben, vollständig und vollkommen durch meine gesunde kleine Tochter.

Wenn ich sie nach einem langen Tag voller Erlebnisse ins Bett bringe, ihr über den Kopf streichle, sie in meinen Armen immer ruhiger wird, dann weiß ich, dass alles, was ich tue richtig ist. Jede Entscheidung, jeder Schritt mit ihr und für sie, kann im ersten Augenblick vielleicht schwer und ungewohnt sein, aber am Ende wird trotzdem alles gut. Natürlich gerate ich als Singlemom oft am Tag an meine Grenzen, doch spätestens am Abend, wenn ich mich neben mein Kind lege und ihrem Atem lausche, wie ich es seit ihrer Geburt täglich tue, dann wird jeder schlechte Gedanke in ein Kästchen gepackt und verstaut. Gleichzeitig verspreche ich ihr seit jener Nacht im Oktober immer wieder aufs Neue: „Egal was kommt, es wird gut, sowieso. Immer geht ne neue Tür auf, irgendwo. Auch wenn’s grad nicht so läuft, wie gewohnt. Egal, es wird gut, sowieso.“

„Natürlich gerate ich als Singlemom oft am Tag an meine Grenzen, doch spätestens am Abend, wenn ich mich neben mein Kind lege und ihrem Atem lausche, wie ich es seit ihrer Geburt täglich tue, dann wird jeder schlechte Gedanke in ein Kästchen gepackt und verstaut."

Danke Veronika für eure Geschichte und wer mehr über ihr Leben erfahren möchte, kann ihr auf Instagram folgen.

1 Kommentar

  • Vroni sagt:

    Danke für die Möglichkeit meine Gedanken niederzuschreiben! Es ist ganz toll, wie ihr euren Blog gestaltet und ich darf nun ein Teil davon sein – unfassbar! Lieben Dank

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.