In einen neuen Job nach der Elternzeit. Mami Laura erzählt, wie das so klappt

am 24.08.2015

Wie viele, ist auch Laura nach knapp einem Jahr wieder zurück ins Berufsleben gestartet. Größte Hürde: Auch noch ein ganz neuer Job. Mit neuen Kollegen, neuen Aufgaben, neuem Arbeitsumfeld. Wie das so ist, erzählt sie uns.

Seit unsere Tochter, in wenigen Tagen 14 Monate alt, ungefähr ein Jahr alt ist, brauchen mein Mann und ich keinen Wecker mehr. Passend zu meiner Rückkehr in den Job weckt uns Emilie jeden Tag pünktlich um kurz vor sechs, an schlechten Tagen leider auch schon um kurz nach fünf. Nach einer Schmuserunde bei uns im Bett, ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Mein Mann und ich machen uns und die Kleine „fertig“ für den Tag – so gut dies eben mit einem quirligen Etwas funktioniert, das uns überall hin folgt, parallel seine Milch haben möchte, beim Wickeln Turnübungen macht und uns gleichzeitig Bücher zum Vorlesen unter die Nase hält. Einen Vorteil hat das frühe Aufstehen: Im Gegensatz zu früher frühstückt mein Mann noch mit uns und wir haben ein paar gemeinsame Minuten, meist nur unterbrochen durch einen Windelwechsel. Wenig später verlassen wir alle drei das Haus. Ich fahre unsere Tochter mit dem Auto zur Tagesmutter, bei der sie sich Gott sei Dank sehr wohlfühlt, lasse das Auto dort stehen und laufe zu meiner Arbeitsstelle.

Apropos Arbeit: 12 Tage vor Ablauf meiner Elternzeit habe ich wieder angefangen zu arbeiten – in einem neuen Job! Mein Arbeitsverhältnis davor war befristet und wurde mir nach Bekanntgabe der Schwangerschaft nicht verlängert. Die Tatsache an sich hatte mich gar nicht mal so gestört – ich wollte dort eh nicht mehr bleiben. Aber: Im Verlauf der Elternzeit hat es mich doch nach und nach belastet, nicht zu wissen, ob und was und wann ich überhaupt wieder arbeiten werde.

 

„Im Verlauf der Elternzeit hat es mich doch nach und nach belastet, nicht zu wissen, ob und was und wann ich überhaupt wieder arbeiten werde. "

Nun wohnen wir im Ruhrgebiet, auch nicht gerade die Region in Deutschland mit super vielen Jobs im Kommunikationsbereich! Wie so oft war das viele Sorgenmachen ganz um sonst. Meine erste Bewerbung führte direkt zum Erfolg: eine 30h-Stelle in einer Klinik, noch dazu nicht weit entfernt von unserem Zuhause! Ich freute mich, obwohl ich nun in kürzester Zeit eine Betreuung finden musste, was sich mehr als schwierig gestaltete. Aber auch das bekam ich hin. Wir starteten im April mit der Eingewöhnung und Mitte Mai ging es los mit dem neuen Job.

Drei Monate bin ich nun dort und mein Fazit fällt insgesamt positiv aus. Bestimmt wäre der Start leichter gefallen, wenn ich in einen bekannten Job mit Kollegen und Co zurückgekehrt wäre. Die neue Tätigkeiten, die auf mich einprasselten, die neuen Gesichter und Namen – das hat mich in den ersten Wochen schon unheimlich gestresst. So langsam bin ich „angekommen“. Mein Tagesablauf sieht so aus, dass ich von 8-14 Uhr arbeite, danach direkt zurücklaufe, ein paar Erledigungen tätige und meine Tochter um 15 Uhr bei der Tagesmutter in die Arme schließen kann (diese hatte zwischenzeitig leider den Standort gewechselt, sodass ich nicht mehr mit dem Kinderwagen nach Hause laufen konnte). Auch wenn ich mich dann oft gern einfach nur hinlegen würde, geht es natürlich weiter mit dem Programm. Entweder wir sind mit anderen Mamas und Kindern verabredet, gehen alleine auf den Spielplatz oder bleiben auf unserem Balkon. Ich glaube alle Mamas wissen, welche Tätigkeiten parallel noch so anstehen: Einkäufe erledigen, aufräumen, waschen etc. Wenn mein Mann nach Hause kommt und von uns beiden schon sehnsüchtig erwartet wird, ist es meist 18.30h. Dann wird noch gemeinsam gespielt, gekuschelt und vorgelesen und gegen 19.00h/19.30h schläft unsere Kleine ungefähr ein. Immerhin schläft sie mittlerweile gut! Bis zu meiner Rückkehr in den Job hat sie sich gut und gerne noch 2-3 Mal die Nacht gemeldet, was mich in Kombination mit dem Jobstart bis kurz vor den Nervenzusammenbruch gebracht hat, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte.

„Immerhin schläft sie mittlerweile gut! Bis zu meiner Rückkehr in den Job hat sie sich gut und gerne noch 2-3 Mal die Nacht gemeldet, was mich in Kombination mit dem Jobstart bis kurz vor den Nervenzusammenbruch gebracht hat, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte."

Würde ich es wieder so machen und nach einem Jahr in einen 30h-Job zurückkehren? Meine rein subjektive Meinung lautet auch: Jein. Ja, nach einem Jahr wieder arbeiten schon, aber nicht mit der Stundenanzahl. De Facto ist es so, dass zwischen meinem Leben in der Elternzeit und dem Leben, das ich jetzt lebe, so ein Riesenunterschied herrscht. Alle Eltern wissen, dass die Elternzeit mit Sicherheit alles andere als „Urlaub“ ist. Aber: es gab wenigstens kleine Lücken am Tag, auch bei Babys wie unserem, die total wenig schlafen, in denen ich ein paar Seiten lesen konnte, in Ruhe etwas im Internet gesucht oder einfach eine Serie geschaut habe. Und diese Pausen haben wir Mamis uns auch verdient! Jetzt habe ich sie überhaupt nicht mehr. Meine Freizeit beginnt erst, wenn unsere Tochter am Abend schläft und dann bin ich oft zu k.o. und möchte einfach nur noch schlafen. Noch dazu möchte ich die kostbare Zeit, die ich am Nachmittag mit ihr habe, nicht mit Haushaltstätigkeiten verbringen, was dazu führt, dass unsere Wohnung regelmäßig einem Schlachtfeld gleicht J Hinzu kommt: Keines der Großelternpaare wohnt in der Stadt, ein Faktor, der auch noch erschwerend hinzukommt und uns daher nur selten Erleichterung verschafft. Was ich besonders vermisse und aktuell wirklich gar nicht mehr mache, ist Sport! Kurzum: Ich vermisse die Freiheiten, die ich in der Elternzeit hatte, richtig doll!

Es ist jetzt so, wie es ist. Und es gab eben einfach nicht die Wahlmöglichkeit, zum Beispiel eine 20h-Stelle anzufangen. Dafür birgt die Situation auch Vorteile. Ich bin wieder schwanger. Mein Mann und ich erwarten ein zweites Mädchen und wir sind überglücklich. Mein Elterngeldanspruch wird mehr als annehmbar sein. Zuerst hatte ich Angst davor, wie mein Arbeitgeber reagieren würde, da ich noch in der Probezeit bin. Aber die Reaktion war super positiv und ich habe den Eindruck vermittelt bekommen, dass man mich dort behalten möchte, wie auch immer es nach der Geburt weitergeht. Wie eine eventuelle Jobrückkehr ganz konkret nach dem zweiten Kind aussieht, weiß ich noch nicht. Aktuell gehen meine Gedanken eher in die Richtung, länger als ein Jahr auszusetzen.

Ich habe großen Respekt vor allen Mamas, egal ob working mum oder nicht, denn ich finde, dass auch die Rund-um-Betreuung ein Mega-Job ist, der einem enorme Kraft abverlangt.

„Ich habe großen Respekt vor allen Mamas, egal ob working mum oder nicht, denn ich finde, dass auch die Rund-um-Betreuung ein Mega-Job ist, der einem enorme Kraft abverlangt."

Vielen Dank an Laura und Emilie und alles Liebe für die nächste, spannende Zeit!

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