Interview mit Kinderpsychologin Isabel Schulze zur Wiesch

am 05.07.2015

Hilfe! Ich habe ein Beiss - und Schlagkind. Bis wohin ist diese Entwicklung normal, ab wann muss ich als Eltern eingreifen und wann sollte ich einen Experten hinzuziehen. Fragen über Fragen - wir haben eine Expertin gefragt.

Die Spielplatz Saison ist eröffnet! Und immer mehr wird klar, wie unterschiedlich unsere Kleinen dann auch sind. Ein wildes Gemix aus Groß, Klein, Zurückhaltend, Laut, Ängstlich, Mutig und auch ja, vielen Kinder die ihre aufbrausende Energie an anderen Kindern auslassen. Wie gehe ich mit Gewalt um und ab wann muss ich als Elternteil eingreifen.

Isabel Schulze zur Wiesch, 35 Jahre aus Hamburg ist psychologische Psychotherapeutin in Elternzeit und Mutter zweier Kinder – Magnus (4 Jahre), und Camilla (10 Monate).

Ihr Leidenschaft für Persönlichkeitsentwicklungen haben sie zur Berufswahl Psychotherapeutin mit Spezialisierung auf Kinder- und Jugend Psychotherapie gebracht.

 

Paulines Freundin Helena ist (fast) 2 Jahre alt und wurde letzte Woche von einem gleichaltrigen Mädchen in die Stirn gebissen. Ich war geschockt. Wie kann so etwas sein?

Grundsätzlich ist es ein normales Verhalten für Kinder im vorsprachlichen Alter, da Frustration noch nicht verbalisiert werden kann. Allerdings ist es genau zu beobachten, bei erhöhter Frequenz und Intensität über das 3. und 4. Lebensjahr hinaus, also wenn Gefühle und Bedürfnisse sprachfähig sind, bedarf es einer Ursachenforschung. Bis dahin, die Kleinem im Auge behalten und rechtzeitig eingreifen.

Gibt es Gründe dafür, dass Kinder zu Beiß- und Schlagkindern werden?

Pauschal kann man das natürlich nie sagen. Eines der Gründe könnten zum Beispiel ein Hilfeschrei nach Aufmerksamkeit sein, aber auch das Bedürfnis übersensible Eltern zu schocken.

„Eines der Gründe könnten zum Beispiel ein Hilfeschrei nach Aufmerksamkeit sein, aber auch das Bedürfnis übersensible Eltern zu schocken.
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Wie reagiere ich als Eltern eines Beißkindes?

Im Umgang mit dem Kind ist ein klarer Ton-, Blick- und Körperkontakt wichtig. Und schnelle Reaktion. Das Kind muss sofort spüren, dass das dieses Verhalten absolut nicht in Ordnung war!

Ich erlebe oft Eltern, die mit Konsequenzen drohen aber „leider“ nie eingreifen. Wie sollte ich als Elternteil nicht reagieren?

Kontraproduktiv sind lange Vorhaltungen, lange Vorträge über Gewalt oder Entwertungen, wie zum Beispiel: böses Kind. Die Botschaft sollte und muss lauten:
Schmerzvolle Gefühle wie Ärger, Wut, Enttäuschung und Eifersucht, etc. dürfen sein, brauchen aber einen Raum der eine angemessene Ausdrucksform braucht. Darunter sollten und dürfen andere Kinder aber nicht leiden dürfen.

„Kontraproduktiv sind lange Vorhaltungen, lange Vorträge über Gewalt oder Entwertungen, wie zum Beispiel: böses Kind. "

Können Sie uns noch einen Tip geben, wie ich als Mutter eines „Hau-Kindes“ bei einer solchen Situation reagieren kann? Am liebsten anhand eines konkreten Beispiels?

Ein Junge haut zum Beispiel immer und immer wieder zu. Die Aufmerksamkeit der Mutter ist damit natürlich sofort erweckt. Auch wenn nur in negativer Form, dem Schimpfen. In erster Linie merkt der Junge aber, aha, meine Mama reagiert auf mich. Gespräche mit anderen Eltern werden schlagartig beendet, oder ähnliches und sieht in erster Linie: Fokus ICH. Um dem gegen zu wirken, kann ich Eltern wirklich empfehlen den Spieß umzudrehen. Also wieder Situation: Junge haut zu. Opfer (anderes Kind) weint. In diesem Fall die Aufmerksamkeit sofort dem Opfer widmen. Wie? „Oje, das hat jetzt weh getan, zeig mal die Stelle, Opfer in den Arm nehmen, Trost schenken, Opfer die 100%ige Aufmerksamkeit schenken. Haujungen nicht beachten.

Ich zum Beispiel meide Treffen mit Freundinnen und dessen Kindern, bei denen ich schon weiss, das Ärger definitiv vorprogrammiert ist. Wie reagiere ich als Eltern wenn ein Treffen nicht zu vermeiden ist.

Besuchereltern sollten sich nicht scheuen intuitiv und beherzt einzuschreiten. Wie zum Beispiel: „Gebissen wird hier nicht!“ oder „Lass, das! Hier wird nicht geschlagen!“. Oftmals hilft auch gezielte Ablenkung wie : „Wolltest du nicht gerade die Burg fertig bauen? Oder schaukeln gehen?“

Falls Sie noch mehr Fragen an Isabel Schulze zur Wiesch zu diesem Thema haben, schreiben Sie uns gerne eine mail, wir leiten diese dann gerne weiter. Ansonsten wenden Sie sich an den Familien Wegweiser, hier finden sie direkte Hilfe in Ihrer Region.

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