Über übereifrige Eltern, stillende Mütter und ein neues Verständnis für Verständnis

Anneke am 25.05.2017

Eine Sache hat mich das Mama sein und Kinder haben gelehrt. Vorurteile sind in jeder Lebenslage fehl am Platz! Gedanken wie „Wie kann sie nur!“, bekommen eine neue Bedeutung und Geduld einen viel längeren Atem als jemals gedacht.

Sätze wie, Gott, wie kann sie nur! Das Kind ist doch mindestens schon 3!, hätten damals auch gut von mir kommen können, als noch nicht Stillende Nichtmama mit Null-Ahnung was es eigentlich bedeutet ein eigenes Baby zu haben. Schreiende Kinder im Flugzeug? Herrje, können diese Eltern ihre Kinder denn gar nicht beschäftigen? Und wie, dein Kind beisst? Da muss doch etwas mit den Eltern nicht stimmen. Ich kann sie alle nachvollziehen – diese Gedanken oder auch ausgesprochene Sätze.

Aber mit dem Mama sein ändern sich eben doch sehr viele Dinge -neben dem unfassbaren Glück ein eigens Baby zu haben, natürlich.

Denn nicht nur das Leben an sich wird einmal auf links gekrempelt, auch mit mir selbst passierte so Einiges.

Es ist wie eine Art Spiegel der einem täglich vorgehalten wird. Ob es die Art ist wie Pauline mit Emmi spricht, oder besser schimpft (oje, schimpfe ich wirklich so mit unserm kleinen geliebten Hündchen?) und baue ich wirklich so oft ein „so“ in meine Sätze? Denn auch Paulines Sätze fangen mit Vorliebe mit „So“ an und enden im schlimmsten Fall auch gleich mit einem weiteren „So“. Und sage ich tatsächlich so oft „mega“? Oh nein, warum sagt mir das niemand?

Spätestens wenn deine Kinder alles was du sagst oder machst, ob sie deine Mimik imitieren oder Sätze nach quatschen, überdenkst du vieles deines Tuns.

Auch kann ich mich schwer an ein Mittag – oder Abendessen auf dem Sofa vor dem Fernsehen erinnern. Davon mal ganz abgesehen würde es heute in einer unfassbar grossen Schweinerei enden. Aber mal im Ernst, vor Pauline und Hannah haben wir uns oft nicht die Zeit genommen um den Esstisch zu decken. Und auch Schimpfwörter hören sich aus dem Mund meiner Tochter direkt doppelt so schlimm an. Die panische Angst vor Spinnen (meine Mutter sagt seit Jahren ich müsse dringend eine Therapie machen) versuche ich zumindest herunter zu spielen und vermeide hysterische Schreiattacken vor dem Kindern.

Ob Pauline und Hannah deshalb einen besseren Menschen aus mir gemacht haben? Vielleicht! Vielleicht auch nicht immer, aber sie haben mich dazu gebracht einiges einfach anders zu machen, oder zu hinterfragen und vieles in meinen Augen ein Stück weit besser machen zu wollen.

Gott, gingen mir manchmal die vielen bettelnden Menschen in der Innenstadt auf die Nerven. In Paulines Augen ein Grund mehr für gute Laune. Schräge Musik auf dem Akkordeon? Super! Warum nicht auch direkt Grüßen, wenn sie dann schon in Augenhöhe sind. Das kann doch einfach nur rührend sein, oder etwa nicht?

Was die anderen übereifrigen, teils wirklich unerträglich und scheinbar nervigsten Eltern dieser Welt angeht. Auch für sie habe ich mittlerweile einen Funken Verständis. Denn auch sie wollen nur das Beste für ihre Kinder. Komme was wolle. Und das ist vom Grundgedanke doch auch eher lobenswert.

Und zu unserer Freundin Marlene, die übrigens noch keine drei Jahre alt ist, aber tatsächlich noch gestillt wird. Auch ihre Mama weiss im Inneren ihres Herzens, das sie nicht unbedingt der Norm entspricht. Aber so what, auch hier haben wir eine Erklärung parat. Denn wenn man es mal global betrachtet, wird jedes Kind im Durchschnitt bis zum 5. Lebensjahr gestillt.

Und ganz nebenbei, ich weiss, wie schwer es ist das eigene Baby Abzustillen, wie wertvoll im Gegenzug dafür ruhige Stillnächte sein können und wie schnell man selbst ganz viele Gründe findet, warum das eigene Tun mehr als nur selbstverständlich ist.

Wie kann sie nur? Wir können! Und das ziemlich viel und das jeder auf seine eigene Art.

Keine Kommentare

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.