Warum perfekt (sein) keine Option ist?

am 11.03.2017

Es läuft: die Familie, der Job, die Freizeit, das Sozialleben, das Sportprogramm, der Haushalt, der Coolnessfaktor oder vielleicht doch nicht so richtig?

Mal ein kurzer Auszug aus unserem aktuellen daily Life:

2.00 Uhr nachts, der kleine Zwerg siedelt um in unser Bett und schläft eng an mich gekuschelt seligst wieder ein, nachdem er erst die Bude zusammengebrüllt hat.

5.20 Uhr seine große Schwester ist jetzt auch wach und fit für den Tag. Wir nicht. Aber was hilft es? Trotzdem gehört diese eine halbe bis Stunde zu den absolut schönsten Momenten des Tages, wir alle vier gemütlich im Bett.

7.15 Uhr alle einigermaßen wach, geduscht und angezogen frühstücken. Der Versuch nicht schnell schnell zu machen und morgens entspannt in den Tag zu starten funktioniert für die Kinder schon, für einen selbst eher weniger. Sie essen in Ruhe auf, während man versucht aufzuräumen, den Müll rauszubringen und unauffällig kleinere Dinge zu erledigen und dann geht es los in die Kita und Arbeit.

8.30 Uhr: Im Büro angekommen sehen, was der Tag so bringt. An Tagen wie gestern, das am Abend vorher kränkelnde Kind einpacken und mitnehmen ins Büro (sie fand es übrigens sensationell und ging auch nur, da es ihr eigentlich wieder besser ging).

Ca. 15.45 Uhr: Kids von der Kita abholen und das Nachmittagsprogramm starten. Aktuell Kindergärten besichtigen (fast so schwer wie einen Kitaplatz finden), Turnen, Playdates oder einfach nur zu Hause spielen.

18.00 Uhr – 20.00 Uhr: Essen und Endspurt siehe auch („Warum man zwischen 18.00 – 20 Uhr nicht bei uns anrufen sollte„)

Dann irgendwann aufräumen, Orgakram, im Internet surfen,  Kitatasche für den nächsten Tag vorbereiten, Erwachsenengespräche führen, Dinge erledigen, stumpf fernsehen und Füße hochlegen etc.

Was nicht gut funktioniert: Eine dieser Aktionen vorher durchführen zu wollen. Die Kinder sind sauer, wenn ich in den Keller zur Waschmaschine düse oder auch der Plan mit ihnen aufräumen zu wollen ist eher keine gute Idee. Maximal saugen und Spülmaschine ein- und ausräumen funktioniert spielerisch mit mithelfen.

Ja, so ist das: Mal vorab: Ob wir glücklich sind? Ja, das sind wir meistens. Ob wir unser Lebensmodell ab und an hinterfragen? Auch ja. Und ob wir an unsere Grenzen stoßen und uns immer mal wieder zurechtruckeln müssen? Auch das. Einzige wirkliche Antwort die ich darauf geben kann? Weniger perfekt sein zu wollen hilft ungemein. Sich auf die wesentlichen und wichtigen Dinge im Leben konzentrieren auch.

Familie, Job, Freizeit, Freunde und Me-Time unter einen Hut zu bringen und dabei noch möglichst gut auszusehen, geht nicht. Das finde ich wirklich! Ein – drei Sachen kommen immer zu kurz. Eine meiner größten Stärken ist Multitasking und trotzdem herrscht bei uns / mir eine permanente Disbalance der Wünsche und vielleicht auch der Erwartungen an mich und von mir.

Läuft der Job super und die Familie auch, leiden Me-Time und Freizeit. Wie auch nicht? Soll auch das funktionieren und möchte man auch Freunde (vor allem die ohne Kind) noch sehen – (vielleicht sogar abends – verrückt:)) leiden der Haushalt, die allgemeine Ordnung, der Schlaf und das Chaos regiert.

Deshalb ist unser Leben geprägt von permanenten Wünschen, die nicht immer zusammenpassen, wenn man sich zu sehr unter Druck setzt. Kulturelles Leben meets Kinder meets Selbstverwirklichung meets das perfekte Familienidyll. Vermutlich eher nicht. Und da ist es auch schon das Wort der Wörter “ Perfekt„. Kein Mensch ist perfekt und bevor ich Mama war, ist mir nicht so sehr aufgefallen wie stark es aber überall proklamiert wird.

Und ja, es setzt mich unter Druck. Ziemlich sogar, wenn ich mich zu sehr darin verliere und es nicht schaffe, das zu genießen, wofür ich unendlich dankbar bin: Zwei extrem lustige, süße und gesunde Kinder. Einen tollen Mann, eine Stadt / ein Land in der /in dem ich sehr gerne und vor allem sicher leben kann mit meiner Familie und meinen Freunden. Ein Leben, das ich mehr oder weniger frei gestalten kann, einen Job, der mir Spaß macht. Und, und, und…

Es ist die Sicht auf die Dinge, die oft den Unterschied macht und auch wenn ich diese immer wieder aus den Augen verliere, ist es das, was tatsächlich zählt. Wir sind also insgesamt herrlich Imperfekt.

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