Potzblitz – Hier kommt Polly Schlottermotz

am 09.01.2017

Wir haben mit Lucy, einer waschechten Buch- und Drehbuchatorin (unter anderem der aktuelle Film "Vier gegen die Bank") gesprochen. Sie ist Mama und hat mit "Polly Schlottermotz" ein wahrhaft cooles Mädchen geschaffen. Selten habe ich ein Interview so gerne gelesen. Aber seht selbst:

Auf der Suche nach einem passenden Geschenk für die Nichte bin ich über Polly Schlottermotz Abenteuer gestolpert und musste sogleich Kontakt zu Lucy, der Autorin, aufnehmen. Das Buch selbst ist sensationell und das Interview hat einfach nur Spaß gemacht:

Wer bist du, wie und wo lebt ihr? Hund, Katze, Maus?

Mein Name ist Lucy Astner und ich lebe gemeinsam mit meinem Mann und unseren beiden Töchtern in einer schönen Wohnung in Hamburg-Eimsbüttel. Unsere Töchter hätten wahnsinnig gern zwei Kätzchen, aber weil wir oft und lange reisen, stehe ich einem Haustier eher skeptisch gegenüber. Aber wer weiß, vielleicht kann ich den großen, klimpernden Rehaugen meiner Mädchen irgendwann einfach nicht mehr widerstehen … Eigentlich habe ich Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert, schreibe aber seit 2010 Drehbücher fürs Kino. In den letzten Jahren habe ich für viele tolle Filmemacher wie Til Schweiger, Matthias Schweighöfer oder Veronica Ferres gearbeitet. Mein nächster Film kommt zu Weihnachten ins Kino: Er heißt „VIER GEGEN DIE BANK“ und vereint fast alle großen deutschen Filmstars auf der Leinwand. Regie geführt hat Wolfgang Petersen, der für das Projekt extra aus Hollywood zurückgekehrt ist. Im Sommer 2016 habe ich außerdem mein erstes Kinderbuch beim Thienemann Verlag veröffentlicht – potzblitzhurra!

Wer ist Polly Schlottermotz?

Polly Schlottermotz ist die Titelheldin meiner Kinderbuchreihe. Eigentlich ist Polly ein ganz normales Mädchen, aber dann wächst ihr plötzlich ein potzblitzspitzer Rieseneckzahn und nichts ist mehr, wie zuvor. Polly erfährt, dass sie ein Vampirkind ist – und dass sie mächtig stark ist, sobald sie wütend wird. Könnte cool sein, wäre da nicht diese Prüfung vor dem Siebenschläferrat, die Polly bestehen muss, bevor sie wieder bei ihrer Familie leben darf. Schweren Herzens verlässt Polly also ihr schönes Zuhause und ihre geliebten Ponys Gulasch und Suppe und quartiert sich bei ihrer durchgeknallten Tante Winnie auf einem verwunschenen Hausboot in Hamburg ein. Der Beginn eines großen Abenteuers, in dem nicht nur ein sprechender Fledermäuserich eine Rolle spielt, sondern auch das geheimnisvolle Mädchen Isabella, das immer wieder in einem leeren Bilderrahmen an Pollys Zimmerwand auftaucht.
Als ich Polly zum Leben erweckt habe, war mir – trotz aller Magie – wichtig, einen authentischen Charakter zu erschaffen. Polly macht nicht alles richtig, nein, manchmal greift sie sogar ziemlich daneben – aber sie das Herz am richtigen Fleck! Bei vielen Kinderbuchfiguren hat mich gestört, dass sie sich immer vorbildlich verhalten. Die Kinder in der zeitgenössischen Literatur sind oft lieb, vernünftig und sie schaffen immer alles, was sie anpacken. Ich glaube nicht, dass wir Menschen so sind und dass das Leben so funktioniert. Wir alle machen Fehler – aber am Ende kommt es darauf an, ob wir die richtigen Entscheidungen treffen, wenn es drauf ankommt. Polly tut das – und das macht sie trotz ihrer kleinen Fehler zu einem Vorbild. Rückblickend kann ich sogar sagen, dass Polly so ist, wie ich es als Kind gern gewesen wäre. Sie ist mutig, aber nicht leichtsinnig – und sie lässt sich nichts gefallen. Wenn etwas blöd ist, packt sie es an und ändert es. Polly ist eben ein potzblitzstarkes Mädchen.

„Bei vielen Kinderbuchfiguren hat mich gestört, dass sie sich immer vorbildlich verhalten. Die Kinder in der zeitgenössischen Literatur sind oft lieb, vernünftig und sie schaffen immer alles, was sie anpacken. Ich glaube nicht, dass wir Menschen so sind und dass das Leben so funktioniert. "

Eigentlich schreibst du Drehbücher, wie kam die Idee zu einem Kinderbuch?

Die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben, kam von meinen Kindern – zumindest indirekt. Als meine große Tochter zum ersten Mal ein Freundebuch aus der Schule mit nach Hause brachte, wollte sie als Berufswunsch „Eisverkäufer“ eintragen. Ich war irritiert und versuchte ihr, meinen eigenen Job etwas schmackhafter zu machen. Ich fing an, ihr zu erklären, dass es ziemlich cool sei, Drehbücher zu schreiben. Aber meine Tochter blickte mich nur skeptisch an. Dann fragte sie, was ich denn Tolles geschrieben hätte: Heidi? Biene Maja? Pippi Langstrumpf? Nachdem ich alles verneint hatte, bestand sie darauf, den „Eisverkäufer“ einzutragen …
Dieses Ereignis war natürlich total lustig, aber es machte mich auch nachdenklich. Mit meinen Geschichten brachte ich Millionen Kinozuschauer zum Lachen – wieso sollte ich also nicht auch endlich mal meine Mädchen mit einer Geschichte unterhalten? Gemeinsam mit meinen Kindern überlegte ich mir eine Figur: POLLY SCHLOTTERMOTZ war geboren!
Obwohl ich schon jahrelang Drehbücher geschrieben hatte, war ich ziemlich unsicher: Kann ich überhaupt Prosa schreiben? Und vor allem: Kann ich für Kinder schreiben? Kinder sind sehr kritisch! Wenn ein Text sie nicht anspricht, schalten sie einfach ab und hören nicht mehr zu. Es hat tatsächlich ein bisschen gedauert, bis ich den richtigen Ton für POLLY gefunden hatte. Dann aber ging alles erstaunlich schnell – auch weil ich selbst so einen wahnsinnigen Spaß mit den Figuren und der Geschichte hatte.
Als der Text fertig war, war POLLY für mich erst mal abgeschlossen. Meine Mädchen aber waren so begeistert, dass sie mich drängten, das Buch an Verlage zu schicken, damit auch ihre Freunde es lesen konnten. Ich war eher vorsichtig zurückhaltend. Ich wusste ja, dass unheimlich viele Bücher auf den Markt drängten und dass unverlangt eingesandte Manuskripte kaum eine Chance haben. Wer wartete schon auf einen Text von mir? Meine Mädchen aber schlugen mir denselben schlauen Spruch um die Ohren, mit denen ich sie sonst immer ermutige: Wer nichts wagt, kann auch nichts gewinnen! Also schickte ich POLLY schließlich an zehn Verlage. Nach zwei Wochen rief eine Lektorin vom Thienemann Verlag an: Sie wollten POLLY SCHLOTTERMOTZ herausbringen! Meine Mädchen und ich sind vor Freude so lange durch die Wohnung getanzt, bis sich die Nachbarn von unten beschwerten.

„Wer nichts wagt, kann auch nichts gewinnen!"

Wird es auch einen Film geben?

Ja, es wird einen Film geben – voraussichtlich sogar zu jedem POLLY-Band. Warner Bros. hat sich bereits vor Erscheinen des Buches die Filmrechte an POLLY gesichert. Durch meine Arbeit als Drehbuchautorin stehe ich zu Warner schon lange in einem sehr vertrauensvollen und erfolgreichen Verhältnis. Warner macht fantastische Filme, POLLY ist bei ihnen in guten Händen. Zur Zeit schreibe ich bereits am Drehbuch für den ersten Film.

Wann schreibst du und wie kommen die Ideen?

Ich bringen meine Mädchen morgens um acht in die Schule, danach setze ich mich zu Hause an den Schreibtisch. Zwischen 15 Uhr und 16 Uhr hole ich die beiden wieder ab. Dazwischen bleiben mir etwa sechs Stunden zum Schreiben. Durch die zeitliche Begrenzung arbeite ich sehr effektiv und diszipliniert. Wenn ein Filmdreh bevorsteht, kommt es auch mal vor, dass ich abends noch eine weitere Schicht einlege. Grundsätzlich aber gehören die Nachmittage, Abende, Wochenenden und Ferien meiner Familie und mir.

Ideen für neue Geschichten lauern eigentlich an jeder Ecke, man muss nur die Augen und Ohren aufhalten. Allerdings taugt nicht jede Idee gleich zu einer Geschichte, die ich erzählen möchte. Um das zu entscheiden, brauche ich Luft und Zeit. Die besten Ideen kommen deshalb zu mir, wenn ich mich mit etwas ganz anderem beschäftige. Im Urlaub, zum Beispiel, oder beim Sport. Oder wenn ich mit meinen Töchtern herumquatsche. Sobald ich mich für eine Idee entschieden habe, purzeln die konkreten Inhalte erstaunlicherweise immer nur so aus mir heraus. Ich kann gar nicht sagen, wo das dann alles genau herkommt, aber eigentlich will ich es auch gar nicht wissen. Manche Geheimnisse sollten nicht aufgeklärt werden, sondern immer ein bisschen magisch bleiben.

„Die besten Ideen kommen deshalb zu mir, wenn ich mich mit etwas ganz anderem beschäftige. Im Urlaub, zum Beispiel, oder beim Sport. Oder wenn ich mit meinen Töchtern herumquatsche."

Deine fünf liebsten Kinderbücher?

Oh, wie schön ist Panama“ – weil es eine Geschichte vom Geheimnis des Glücks ist.
Ronja Räubertochter“ – weil es niemals genug starke und mutige Mädchen geben kann.
Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ – weil … siehe unten. Hehe.
Der Grüffelo“ – weil wir uns manchmal vor Gespenster fürchten, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.
Die unendliche Geschichte“ – weil die Fantasie eines der größten Geschenke des Lebens ist.

Was war das erste Buch, das du deinen Kindern vorgelesen hast?

„Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ – weil Kinder schön früh lernen sollten, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss! Erst recht nicht, wenn es um einen Kackhaufen aufm Kopf geht. Thihi.

Hast du einen Tipp für ein gutes Hörbuch zum Einsteigen für Dreijährige?

Hm, schwierig, das liegt schon ziemlich weit zurück – meine Mädchen sind ja schon sechs und acht Jahre alt. Aber wir mochten das Hörbuch von den „Kindern aus Bullerbü“ sehr!

Ganz lieben Dank Lucy und bald folgen bei uns noch ihre Hotspots / Tipps für Hamburg…

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